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2006-09-08 Radtour Stanley Park

Mein letzter Tag in Vancouver liegt vor mir! Das Flugzeug wird gegen 17 Uhr abheben - damit habe ich noch einen Vormittag zur Verfügung. In der Herberge leihe ich mir ein Fahrrad und werde das letzte Projekt in Angriff nehmen: Umrunden des Stanley-Parks. Gerade für Sportbegeisterte ist diese Insel bekannt; nur durch eine Brücke und eine schmale Zunge mit dem Festland verbunden, bieten sich auf den vielen Pfaden und vor allem dem Küstenweg, der die gesamte Insel umrundet, vielerlei Optionen. Über ganze vier Quadratkilometer erstrecken sich Attraktionen, Blumengärten, Restaurants, Strände und vielerlei mehr.
Auf dem Weg zum Park entdecke ich ein Gebäude, das einigen von euch hoffentlich auch bekannt ist. Bin mal gespannt, ob es jemandem von euch bekannt vorkommt!



Ich folge dem Rundkurs um den Park entgegen dem Uhrzeigersinn (sonnentechnisch). Schon nach wenigen Metern gibt des einen wunderbaren Blick auf die Vancouver Innenstadt über den Hafen; ganz nahe bei ist auch die weltgrößte nicht-private Sammlung an Totempfählen (für mich als Laien so ziemlich das gleiche wie an der Hängebrücke gestern). Anstrengend wird es dann allerdings, als ich in die Nähe der Lions Gate Bridge komme: Sie verbindet den Stanley Park und damit Vanouver mit dem nördlichen Teil der Stadt. Mitten durch den Stanley Park führt eine dreispurige Straße, sodass sämtlicher Durchgangsverkehr hier entlangströmt. Sie ist ca. 1.5 Kilometer lang und 111 Meter hoch - und genau diese 111 Höhenmeter schnaufe ich mich hinauf. Sogar noch etwas höher, da ich versehentlich auf der Überführung der Brücke gelandet bin - immerhin eine gutes Photoposition.
Die Fahrt hinüber ist ein Erlebnis! Wenn ein Bus oder Lastwagen kommt, spüre ich die Vibrationen. Erinnerungen an den Physikunterricht kommen hoch. Von hier aus habe ich noch einmal einen wunderschönen Blick auf den Grouse Mountain, auf den ich gestern, auch über diese Brücke, per Bus gefahren bin.



Zurück geht's in das Parkinnere. Ich sehe riesige und bizarr gewachsene Bäume, den Bibersee (leider keine Biber), Eichhörnchen, die bis auf Schrittdistanz ums Fahrrad herumtanzen, und kläffende Tölen, deren Halter offenbar die Leinen vergessen haben.
Leider habe ich keine Parkkarte, sodass ich etwas wirr hin- und herfahre, doch letztlich an den Gärten lande. Auch Linienbusse verkehren hier. Ich habe noch nicht erwähnt, dass Vancouvers Regierung versucht, die Luft in der Stadt zu reinigen. So fahren hier sämtliche Straßenbusse mit Oberlinienstrom. Sieht sehr interessant aus, natürlich sind nun entlang aller Buslinien Oberstromleitungen, was das Stadtbild sicher nicht verschönert. Dafür kein Gestank, kein Lärm und keine Verschmutzung.



Etwas schweren Herzens mache ich mich auf in Richtung Herberge, doch ist diese 30km-Tour auf jeden Fall ein adäquater Abschluss meines Sommerurlaubes.
Von der Herberge versuche ich, mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen durchzuschlagen. Obwohl ich an einer SKytrain-Station liege, muss ich insgesamt dreimal unsteigen. Für den Busliniennetzplan, den ich nach tagelangem Suchen endlich in einem Kiosk bekam, muss man sogar Geld bezahlen. Lächerlich!
Doch ansonsten mag ich Vancouver sehr gerne, ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und die Zeit absolut genossen! Diese Stadt mit Umgebung bietet enorm viel Kultur, Unterhaltung, Natur, eine große Vielfalt an Ethnien, ... ... ...
Das Wetter ist für mich auch ausnahmslos perfekt gewesen, doch seit zwei oder drei Tagen bin ich schon so weit, dass der Alltag nun wieder losgehen kann. Zu viel Urlaub wird eben auch anstrengend, insbesondere wenn man ständig auf den Beinen ist und sich keine Zeit zum entspannen gönnt.
Am Flughafen bin ich mehr als pünktlich, auch wenn hier alle total panisch sind und Flüssigkeiten im Handgepäck strengstens verboten. Die Sicherheitskontrolle zieht sich ewig in die Länge. Im Flugzeug schlafe ich, so gut es eben geht.
Die Rocky Mountains bekomme ich noch mit, sie sind gewaltig aus der Luft zu sehen! Da wir aber gen Osten fliegen, wird es sehr schnell dunkel. In Toronto müssen wir uns ca. eine halbe Stunde im Flugzeug gedulden - aufgrund eines Gewitters konnten die Flugzeuge vor uns nicht entladen und betankt werden, sodass sich etwas aufgestaut hat. Per Airwaystransit komme ich schließlich gegen drei Uhr nachts wieder in Waterloo wohlbehalten, glücklich und müde an.
24.9.06 22:18


2006-09-07 Mountains and Vistas Tour

Bilder: 2006-09-07 Mountains and Vistas Tour
Die Touristikgesellschaft Gray Line bietet in allen kanadischen Großstädten moderierte Touren an. Diese gehen meist über mindestens fünf Stunden, manchmal zwei bis drei Tage per Bus, Fähre, Flugzeug oder was sonst gerade verfügbar und angebracht ist. Ich entschließe mich zu der Fahrt "Mountains and Vistas", Berge und Aussichten. Sie führt in den Norden Vancouvers zu einer Lachs-Zuchtanstalt, der Capilano Suspension Bridge (Hängebrücke) und schließlich hoch auf den Grouse Mountain, der höchste Berg in der nördlichen Umgebung Vancouvers.
Los geht das ganze an einem edlen Hotel. Ich melde mich bei der Rezeption und fühle mich etwas under-dressed. Doch immerhin will ich keine Nacht hier verbringen, sondern oute mich schon dadurch als Tourist, dass ich an dieser Tour teilnehme. Also kein Grund zur Panik!
Im Bus sitze ich wieder in der ersten Reihe. Neben mir nimmt ein junger Spund Platz, Mohamed sein Name. Mit ihm werde ich mich an diesem Tag umgeben.
Der Busmoderator ist humorvoll, erzählt, dass er an diesem Morgen schon den Dalai Lama in einem Hotel gesehen hätte. Ein fünf-Sterne-Hotel, versteht sich. Soviel zum Thema Bescheidenheit, die er lehrt. Über die Lions Gate Bridge erreichen wir Nord-Vancouver. Es sind nur wenige Kilometer bis zur Zuchtanstalt, in denen wir ein wohlhabendes Wohngebiet Nord-Vancouvers tangieren. Die Landschaft ist wieder einmal herrlich. Ein Strom fließt in einer Schlucht entlang und lässt damit die Zuchtanstalt in einer idyllischen Umgebung liegen. Man hat Sicht auf eine Sprungtreppe für die Fische (einseitig verglast) und kann in einem Unterwasseraquarium beobachten, wie die Lebewesen sich tummeln.
Die Umgebung lädt zu einer kurzen, aber schönen Wanderung ein. Denn schon geht es mit dem Bus weiter zur Hängebrücke. Mir ist aufgrund meiner Höhenangst etwas unwohl, und um das Gefühl noch richtig auskosten zu können, ist vor der Brücke eine Ausstellung an Totempfählen. Diese kunstvollen Holzschnitzereien dienen nicht in erster Linie dazu, wie fälschlicherweise verbreitet, dass Barbaren ihre Feinde daran fesseln. Vielmehr nutzen die Eingeborenen sie als Kommunikationsmittel und erzählen Geschichten und Traditionen damit. Einige Interpretationen lese ich mir durch und bin ob der Abstraktionsfähigkeit der Künstler sehr beeindruckt!
Doch endlich geht es Richtung Brücke!



Die ersten Meter sind etwas ungewohnt, doch ich schaue zunächst nicht hinunter, halte mich an beiden Seiten am Handlauf fest (ja, so schmal ist sie!). Schließlich überwinde ich mich zu einem Blick über das Geländer in die 70 Meter tiefe Schlucht. Es ist nicht so schlimm wie befürchtet! Der Busfahrer warnte uns vor: Je mehr Leute auf der Brücke sind, desto stärker schwingt sie! Zudem merke ich recht bald, dass es nicht förderlich ist, genau in der Mitte zu gehen: Dadurch werden die Schwingungen provoziert, weil man einen Schritt links, den nächsten rechts der neutralen Faser macht. So halte ich mich doch lieber auf einer Brückenseite auf. Auf der anderen Seite der Schlucht erwatet uns ein Themenpark zu Natur und Bäumen, der natürliche Kreislauf und Lebenszyklus eines Waldes werden pädagogisch wertvoll mit vielen Praxisübungen präsentiert. Hier befinden sich auch sieben Hängebrücken, die an dicken Bäumen etliche Meter über dem Boden aufgehängt wurden: "Treetops" (Baumwipfel). Eine interessante, witzige Idee. Zurück auf dem Boden ist hier ein schön angelegter Froschteich, der von riesigen Bäumen umgeben ist. Unter anderem finden wir die riesige "Grandma Capilano". Der Stammdurchmesser ist größer als meine Armspanne! Zurück am Bus angekommen, nehmen wir unser drittes Tagesziel in Angriff. Wir fahren den Grouse Mountain mit einer Seilbahn hinauf! Schweizer Ingenieure haben hier wieder ganze Arbeit geleistet und sie installiert. Es geht in atemberaubende Höhen. Auf der Fahrt hoch stehe ich in der Gondel an der Bergseite, sehe also nur wie hoch wir über der Bergoberfläche sind. An den beiden Aufhängungen schwingt die Gondel enorm, ebenso beim Passieren der entgegenkommenden.
Auf der Spitze des Berges findet sich eine Vielfalt an Möglichkeiten: Dokumentar- und Erlebnisfilme, Grizzlybären in einem Gehege, eine Holzfällermeisterschaft, eine Vogelschau und sicher noch viele andere Dinge. Die Holzfäller beginnen zeitnah, sodass wir uns beeilen, die Aufführung nicht zu verpassen! Humorvoll werden die Disziplinen Stammdurchhacken, Axtwerfen, Fuchsschwanzsägen, Stammklettern und Flößen getestet.



Die beiden opponierenden Charakter stellen hinterwäldlerische Kanadier da (Holzfäller eben), und zu guter letzt werden die STIHL-Motorsägen (das Modell konnte ich leider nicht erkennen) angeschmissen! Schließlich werden sie durch einen Quertreiber gestört, der sich auf den 30 Fuß hohen Baumstamm gehievt hat! Er macht es sich da oben bequem, wirft Schuhe und Kletterausrüstung hinunter. Beim Versuch, ein Photo vom Publikum zu machen, bemerkt er, dass er nicht alle ins Bild bekommt, macht einen Schritt zurück - und kann sich gerade noch am Spannseil festhalten, an dem er hinunterrutscht. Sehr cool.
Die beiden Grizzlybären sind gerade am pennen, sodass wir zur Vogelschau weitergehen. Es werden Adler, Falke und Eule präsentiert - welch majestätische Tiere! Einer der Vögel macht es sich auf dem Strommast bequem. Erst nachdem er das Publikum hat fünf Minuten warten lassen, bequemt er sich, mit der Show weiterzumachen.
Zum Abschluss bestaunen wir die filigranen Holzskulpturen, die ein exzentrischer Künstler mit Kettensägen erstellte. Phänomenal!
Die Fahrt hinunter stelle ich mich in den vorderen Teil der Gondel und genieße noch einmal den herrlichen Ausblick auf Vancouver - damit wird dieser Ausflug dem Namen "Berge und Aussichten" gerecht.
23.9.06 18:01


2006-09-06 Victoria - Vancouver

Doch diesen halben Tag koste ich noch voll aus! Als erstes steht ein Frühstück bei A&W auf meinem Tagesplan. Ich habe zwar keine Ahnung, wo einer ist, vertraue aber darauf, einen auf meinem Weg zur University of Victoria zu finden. Ich werde nicht enttäuscht.
Der Universitätscampus beeindruckt mich nicht minder als der in Vancouver. Motto: Griechisch "γενηθήτω φώς", Hebräisch: " יְהִי אוֹר " (um Christian das Gefühl zu geben, dass nicht alles vergebens war, was er gelernt hat). Charakterisitisch ist die "Ring Road", die es zwar an vielen Universitäten gibt, hier aber ihrem Namen gerecht wird une einen echten Kreis darstellt. Sie ist zweispurig als Einbahnstraße gebaut. Kanadaweit finden in dieser Woche die Einführungsveranstaltungen statt: Die Neuankömmlinge, ob Erstsemestler oder Austauschstudenten, werden begrüßt und mit dem Unileben vertraut gemacht. Ich nutze diese Woche als erweiterten Urlaub, wie allgemein üblich. Die Uni ist also von Studenten überflutet!
Wieder einmal leide ich darunter, nicht über Karte mit Höhenangaben zu verfügen. So erkenne ich nicht rechtzeitig, dass die Uni auf einem Hügel liegt, von dem aus ich eine nette Berg- und Talfahrt Richtung Ozean mache.
Ich folge der hügeligen Küstenstraße entlang der Oak Bay.



Es gibt etliche Aussichtspunkte, die Wohngegend ist ruhig, gepflegt und wohlhabend. Mit anderen Worten, hier ist möglicherweise das reichste Viertel der Stadt, was sich in den rieeesigen Grundstücken, Häusern (Blick nach Osten/Süden aufs Meer), Gartenanlagen und Autos widerspiegelt. Welch ein Kontrast zu einigen Vierteln, die ich in Vancouver gesehen habe, in denen Menschen auf der Straße schlafen!
Damit habe ich immerhin einen sehr sehenswerten Teil Victorias erlebt und bin kurz nach Mittag wieder im Bus nach Vancouver. Fünf Minuten vor Abfahrt komme ich an und bekomme trotzdem den Premiumplatz ganz vorne! Die Fährfahrt ist erneut ein Erlebnis. Kurz bevor das Schiff andockt, bekomme ich aufgrund meines Sitzplatzes mit, dass sich die Fährtüren schon einige dutzend Meter vor der Anlegestelle öffnen. Ein eigentümliches Gefühl, direkt an der Wasseroberfläche zu sitzen!



Während der Bus aus den Vororten Richtung Kernstadt steuert, bemerke ich ein Schild über unserem Fahrstreifen, das nur Verkehrsbusse und Autos mit mindestens zwei Personen zulässt. Auf diesem Streifen ist bemerkenswert wenig Verkehr, während die anderen beiden Spuren gut gefüllt sind. So hat auch Richard gestern von mir profitiert. Eine gute Idee, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren, doch scheinbar ist sie nicht von allzuviel Erfolg gekrönt.
Kofferschlepperei entfällt heute glücklicherweise, da meine Herberge nahe der Zentralstation liegt, an die wir am Nachmittag andocken.
Sie ist halbwegs sauber, immerhin gibt's neue und gute (Gemeinschafts-)Badezimmer! Noch einmal genieße ich einen Abend an der Waterfront in einem Starbucks.
22.9.06 19:42


2006-09-03+04+05 Abbotsford und Abschied nach Victoria

In Abbotsford komme ich das einzige Mal in meinem dreiwöchigen Urlaub dazu, zwei Tage zu entspannen und nicht von einer Attraktion zur nächsten zu hetzen! Dennoch gestalten sich die Tage sehr interessant; am Sonntag bekommt die Familie Besuch von zwei Missionarsehepaaren - eins davon arbeitet in Italien. Immerhin klingelts beim Begriff "Chrischona", als ich von der Ausbildung meines Bruders erzähle. Die drei Söhne sind naturgemäß fußballbegeistert und haben schon einen guten Schuss des Temperaments ihrer Vorbilder aus der Squadra Azurra übernommen.
Am Montag begebe ich mich mit Vincent auf eine kleine Rundreise. Altersmäßig liegen wir zwar fünf Jahre auseinander, doch da auch er studiert, sind wir zumindest im gleichen Lebensabschnitt. Er stellt mir einige seiner Freundinnen sowie den Unicampus vor.
So vergehen die Tage definitiv zu schnell, und mit einigen guten Tipps im Rucksack nimmt Richard mich Dienstag früh nach Vancouver zurück. Er sollte besser auf seinen Nacken acht geben...
Einer der Tipps ist, nicht nur für einen Tag nach Victoria zu fahren, sondern mindestens eine Nacht dort zu verbringen. Eine Unterkunft habe ich am Vorabend gebucht, zwar teuer, dafür aber sauber.
PacificCoachLines bringt mich per Fähre auf die riesige Vancouver Insel (1/10 von Deutschland), auf der sich die Hauptstadt von Bristish Columbia befindet. Der Bus hat einen reservierten Fährplatz, somit haben wir keine Wartezeit (am vergangenen Tag-Der-Arbeit-Wochenende, in Kanada Anfang September, mussten Autofahrer aufgrund des großen Andranges 4-5 Stunden warten). Es ist extrem diesig, und erst während der eineinhalbstündigen Überfahrt klart es etwas auf.
Man hat mir gesagt, dass die Fahrt auf der Fähre einen ersten Höhepunkt eines Urlaubs auf der Insel ist - und tatsächlich werde ich nicht enttäuscht.



Der Bus parkt in der ersten Reihe und wird auch als erste die Fähre verlassen - daher auf niemanden warten können. Anscheinend sind alle pünktlich. Vancouver Island scheint für mich bisher nicht außergewöhnlich zu sein. Wir haben noch eine Stunde Fahrt bis Victoria vor uns, kommen an den berühmten Butchard Gardens vorbei, die ich mangels Zeit und Interesse aber nicht zu besuchen beabsichtige.
Ich nächtige im "Ocean Island" und werde gleich mit einer Deutschlandflagge, die am Haus hängt, "begrüßt". Diese Jugendherberge bietet ihren Gästen an, sich die Unterkunft zu vergünstigen indem man kleine Jobs annehmen kann - Zimmer streichen/tapezieren, in der Lounge musizieren, in der Küche arbeiten... die Lage ist nicht schlecht und der Zustand akzeptabel. Erste Amtshandlung für mich ist, nachdem ich mein Gepäck verstaut habe (ich bin zu früh und muss etwas warten), der Gang zu einem Fahrradverleih. Diesen halben Tag möchte ich natürlich ausnutzen! In Ottawa und Vancouver habe ich da schon sehr gute Erfahrungen mit gemacht, und auch hier bleibt mir das Wetter treu.
Natürlich stehen als erstes das Parlament und das edle Empresshotel auf der Liste. Hier treffe ich, mal wieder, zwei Deutsche, die gerade einen Schieß-Wettkampf hinter sich haben. Ich bin sehr befremdet, dass sie mich mit "Sie" anreden. Zum einen gibt es diese Anrede im Englischen nicht, zum anderen ist die Kultur hier ganz anders (siehe Bericht 2006-08-17). Die Umstellung, die mich Deutschland erwartet, wird groß sein.
Vom Hafen, der dem Parlament gegenüber liegt, führt ein Weg entlang der Küste aus der Bucht Richtung Ozean. Ich folge, und von einem Pier ("Breakwater") sehe ich die 8.000ft hohen Olympic Mountains - atemberaubend!
Ich nehme eine Show im Pacific Undersea Garden mit. Durch die Glaswände präsentiert ein Taucher unterschiedliche Unterwasserlebewesen wie Kraken, Seeigel und dieses ganze Gelumpe. Sehr beeindruckend!
Nicht weniger prachtvoll ist das Craigdarroch-Schloss und die Gärten um das Haus des Gouverneurs.



Das Schloss ist schon geschlossen (was erwartet man auch sonst? Hätte ich mir auch selbst erschließen können). So bleibt mir der imposante Anblick von außen. Im Gegensatz dazu habe ich Zutritt zu den Gärten! Sie sind einfach riesig, nicht durch Hinweis- und Erklärungsschilder und -tafeln verschandelt und von großer Artenvielfalt gekennzeichnet. Ich treffe einen der Gärtner, und er erklärt mir - ungebeten - eine viertel Stunde lang verschiedene Pflanzen samt lateinischem Namen und Herkunft. Zudem gibt er mir gute Tipps, was am Sehenswertesten ist. Dafür bin ich sehr dankbar, denn der empfohlene Weg stellt sich als wunderschön heraus; allein hätte ich ihn sicher nicht entdeckt.
Eine in den Boden eingelassene Ehrungstafel erwähnt den ehrbaren "Ramon John Hnatyshyn, P.C., C.C., C.M.M., C.D., Q.C., Governor General of Canada, and Chancellor and principal companion of the order of Canada". So ein Angeber. Wahrscheinlich vertraut er darauf, dass niemand weiß, was diese ganzen Kürzel bedeuten, und jeder beeindruckt ist.
Der Tag neigt sich zusammen mit meinen Kraftreserven dem Ende entgegen. Schade, dass ich nur noch einen halben Tag hier habe, es gäbe sicher noch viel zu sehen!
21.9.06 20:36


2006-09-01+02 Vancouver+Abbotsford

Gerade einmal zwei Nächte erlebe ich in Vancouver, da ist die Zeit zur Weiterreise schon gekommen. Bills nächstjüngerer Bruder Richard hat mich ebenfalls zu sich nach Hause eingeladen. Ihm sowie seiner Ehefrau Velma und den Kinder Venita, Vanessa und Vincent bin ich während des Webbschen Familientreffens vor einigen Wochen ja schon bekannt geworden. Vorteilhafterweise arbeitet Richard in Vancouver in unmittelbarer Nähe zu einer Skytrain-Station. Skytrain wird das beliebte öffentliche Verkehrsmittel in Vancouver genannt. Auf zwei Routen über insgesamt 50km Länge (schätzungsweise je 10km parallel) pendeln Züge teils unter-, meist jedoch oberirdisch auf einer einigen Meter hohen Trasse durch bzw. über die Stadt. Nur schade, dass das Netz so dünn ist - immerhin sind bis zu den Olympischen Winterspielen 2010 zwei weitere Linien geplant.
Ich checke zeitig (und froh) aus der Herberge aus, schleppe mein Gepäck einen Kilometer zur Skytrain-Station Waterfront. Von dort geht es per Tagesticket bis Gilmore. Da ich mit dem System nicht vertraut bin, drehe ich die Runde in die falsche Richtung. Macht gar nichts, denn so sehe ich viel von der Stadt! Richards Arbeitsplatz zu finden ist kein Problem; er muss bis ca. 18 Uhr arbeiten, und da es gerade erst Mittag ist, verstauen wir mein Gepäck in seinem Kofferraum. Die Zeit bis dahin verbringe ich am Hafen und Downtown; hier schaue mir eine Vielzahl an Gebäuden und Einkaufszentren an. An jeder Straßenecke (und das ist nicht übertrieben) findet sich ein Starbucks, TimHortons, Blenz oder Subway.
Endlich Abend, Richard stellt mir seinen Arbeitgeber etwas vor. Er arbeitet in einer Spedition und macht mich mit dem verantwortlichen Disponenten bekannt. Dies ist sehr interresant, da ich während und nach meiner Ausbildung ein sehr ähnliches Aufgabenfeld hatte. Bei der Führung durch die Warenumschlagsfläche treffe ich auch Vincent, der hier sein Geld fürs Studium verdient.
Pünktlich um 18.45 fahren wir ca. 50km östlich nach Abbotsford. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich fünfstellige Hausnummern und die Grenze zu den Vereinigten Staaten von Amerika, hier der Staat Washington.
Das Haus der Webbs ist riesig. Es liegt etwas am Hang, die untere Etage ist eher kellermäßig, obwohl teils ebenerdig - mit einer hellen Front. Wohnbereich ist die obere Etage, von einem fast umlaufenden Balkon umgeben. Alles ist sehr geräumig, stilvoll, edel und absolut sauber! In der Küche sind Geräte von Miele... Sehr adelig, was wenig verwundern sollte, ist Velma doch deutscher adeliger Herkunft.
Etwas entfernt vom Trubel der Großstadt genieße ich die Ruhe und das hervorragende Essen (nicht ganz deutsche Küche, aber trotzdem sehr schmackhaft). Ich darf im Büro auf der bequemen, da harten, zum Doppelbett ausgezogenen Couch nächtigen.
Am nächsten Morgen nimmt Opa Webb, der im gleichen Ort wohnt, mich auf eine Tour. Es beginnt mit einem Kaffee bei Starbucks, anschließend nach Mission zu einer großen, im klassischen Stil erbauten Kirche mit großem Areal und vielen Wanderwegen. Wie so vieles hier, wurde es nach dem europäischen Vorbild erbaut und "Westminster Abbey" genannt. Weitere Bilder und Infos gibt es hier. Es liegt auf einem Hügel; die Umgebung ist durch den Dunst verschwommen. Er führt mich an weitere interessante Stellen, unter anderem überqueren wir den Frazer River (an dem auch Vancouver liegt) mit einer Autofähre. Außerdem gibt es ein Mittagessen bei der mir bisher nicht bekannten Fastfoodkette A&W, die Burger "für die ganze Familie" im Sortiment hat (Teen, Dad, Mom, Grandpa, Grandma, ...). Auf das berühmte Root-Bier verzichte ich lieber!
Auch der Nachmittag hat vieles zu bieten. Die Familie Richard Webb betreibt eine kleine Firma, die sie jeden Samstag vormittag, die Kinder auch nachmittags, mit Rasenmähen einspannt. Die Eltern machen mit mir am Nachmittag einen Ausflug zu einem mystisch schauenden Wald mit übbig gewachsenem Moos auf den Bäumen und einem riesigen Wasserfall!



Danach geht es weiter zur ehemaligen transkanadischen Eisenbahn. Dieser Teilabschnitt wurde vor ca. 100 Jahren fertig gestellt - viele Chinesen sind illegal aus ihrem Heimatland ausgeschleust worden und wurden hier eingesetzt, um den Weg durch Felsen freizusprengen bzw. Brücken und Trassen zu bauen. Unter Einsatz ihres Lebens, viele sind bei Unfällen gestorben, ist das Projekt schließlich vollendet worden. Durch Naturgewalten des öfteren beschädigt, musste es immer wieder ausgebessert werden. Starke Regenfälle schließlich fügten der Strecke irreparabele Schäden zu, sodass die Gleise zurückgebaut wurden und die ehemalige Trasse nun für Radler und Wanderer (über etliche dutzend Kilometer) zugänglich ist. Wir gehen einen kurzen, aber beeindruckenden und durch Informationstafeln erläuterten Abschnitt entlang.
Wieder einmal befinde ich mich inmitten krasser, ungewohnter Natur. Eine Schlucht durchzieht das Massiv, tiefsattes grün spiegelt sich im türkisfarbenen Strom. Das Gelände erscheint extrem unwegsam. Unglaublich, dass hier eine Eisenbahnstrecke gezogen wurde!
Zum Tagesende fahren wir an einen See, an dem wir auch den Rest der Familie zu treffen planen. Tatsächlich klappt es; als Dankeschön habe ich das Kultspiel "Bohnanza" mitgebracht, das wir gleich ausgiebig testen! Auf diese subtile Weise gelingt es mir, etwas deutsche Spielkultur ins Land einzuführen. Zudem erleben wir einen spektakulären Sonnenuntergang:

13.9.06 18:01


2006-08-30+31 Vancouver

Im Gegensatz zu Ottawa habe ich hier einen Wecker, der mich zeitig am Morgen des 30. aus den Federn klingelt. Der Abschied von Michael und Jacob war schon gestern Abend, und der von Tina fällt nicht ganz leicht. Doch erwartet mich nun das Kontrastprogramm: Aus entlegener Natur starte ich in Kanadas drittgrößte Stadt Vancouver durch. Der Flieger soll um 8.30 Uhr abheben. Russell hat wieder beruflich in Dawson Creek zu tun, so fahren wir um 6.15 Uhr los. Eine Stunde vor Abflug sind wir in Sichtweite des Flughafens, müssen jedoch an einer Straßensperre warten. Russell beruhigt mich und sagt, dass man auf diesem Airport selbst 15 Minuten vor Abflug noch ins Flugzeug kommt. Na, denn! Es ist wirklich ein kleiner, übersichtlicher Flughafen, von dem täglich ein Flug ausgeht. nämlich mit Hawkair über Fort St John nach Vancouver. Es ist wohl das kleinste Flugzeug, mit dem ich bisher reise: Ganze 36 Leute finden hier Platz! Immerhin fliegen wir unterhalb der Wolkendecke, und wir entdecken eine Bergkette unter uns: Die Coast Mountains erstrecken sich über eine Länge von 1600km und einer Höhe bis zu 4000m nördlich von Vancouver.
Bevor wir Vancouver überfliegen, machen wir eine Schleife über das Meer, und ich kann ahnen, wo ca. die Innenstadt liegt. Mein Platznachbar bietet mir an, dass er seinen Fensterplatz mit mir tauscht, da er ohnehin beruflich öfter diese Strecke fliegt. Na, da sag ich mal nicht nein!
Er wird von einem Kollegen vom Flughafen Vancouver abgeholt und stadteinwärts zum Büro gebracht, biete mir an, dass ich mich ihm anschließen kann! Das vereinfacht vieles für mich, und dort angekommen, nehme ich den nächsten Bus Downtown und muss nun nur noch einen Kilometer Fußmarsch absolvieren - der aufgrund des Gepäcks allerdings mehr als lang genug ist!
Die Herberge war die günstigste, die ich finden konnte. Dort angekommen bemerke ich, dass es nicht immer sinnvoll ist, zu sparen. Zwar nicht total verdreckt (es gibt einen Putzdienst), doch Schimmel im Bad und abfallende Tapeten, ein altes Gebäude das einfach nicht in Stand gehalten wird und deswegen verfällt. Für zwei Nächte wirds gehen, denn dann werde ich ja ohnehin nach Abbotsford gehen! Immerhin gibt es ein kabelloses Netzwerk, sodass ich seit langem mal wieder Mails schreiben kann (war in Tumbler Ridge ja nicht wirklich möglich).
Die Nacht ist laut, doch ich bin müde genug, nicht davon gestört zu werden.
Am Morgen des 31. mache ich meinen ersten richtigen Trip in die Stadt: Ich kaufe mir eine Eintrittskarte für den Ausguck am Hafen. Ein gläserner Fahrstuhl katapultiert uns in 50 Sekunden auf eine Höhe von 177 Metern. Nach wenigen Sekunden schließe ich die Augen...
Der Ausblick ist atemberaubend! Man hat einen wunderschönen Überblick über die gesamte Stadt sowie die Berge (Grouse Mountain) nördlich der Stadt.



Ich muss noch einmal zurück zur Herberge, da ich ein anderes Zimmer bekomme, und mein nächster Weg ist zum Fahrradverleih! Schließlich möchte ich etwas rumkommen, und die Stadt ist recht weitläufig. Ich habe mir vorgenommen, die University of British Columbia anzusehen. Sie liegt ganz im Westen der Stadt. Die Infrastruktur für Fahrräder ist, für kanadische Verhältnisse, ausgezeichnet. Es führt ein Weg entlang des Ufers des "False Creek", ein Armstummel, der ins Landesinnere ragt. Es gibt keine andere Wahl - ich muss ihn umrunden, doch führt mich dies automatisch zur Science World (gegründet 1977, etabliert durch die Expo 1986). Ich gehe nicht hinein - es könnte interessant sein, doch ist es vermutlich eher ein Experimentiernirvana für Kinder und Teens (ich bin ja inzwischen 26). Vor dem Eingang ist eine große "Was-passiert-dann-Maschine" aufgebaut, in der Kugeln, über Bahnen und Elemente gelenkt, verschiedene Geräusche verursachen.
Weiter geht’s; von der anderen Seite des False Creek ist die Innenstadt sehr schön sichtbar! Hier befindet sich auch Granville Island. Diese Halbinsel ist ein Familien-, Kultur-, Vergnügungs-, Freizeit- und Shopping- bzw. Markt- Paradies. Mit anderen Worten: Man findet hier so ziemlich alles zum gepflegten Zeitvertreib. Vor allem aber natürlich Touristen und überhöhte Preise. Der Fischmarkt ist sehr bekannt. Auf dem Weg dorthin komme ich an einer Schnitzelbude vorbei und gerate kurzzeitig in Versuchung, entscheide mich dann aber doch für leckeren Heilbutt. Sicher könnte man hier einen halben Tag verbringen, aber ich bin nicht der ganz große Shopping-Fan, und nach zwei Stunden geht es weiter westwärts, entlang der „sea wall“ (Radwanderweg entlang des Ufers).



Ich passiere unzählig viele Strände, die Waterloo Street, wohlhabende Wohnviertel, und bin schließlich am Fuße der Erhebung zur Universität. Es verspricht, anstrengend zu werden. Doch nach 90% geschaffter Wegstrecke gebe ich sicherlich nicht auf! Also kämpfe ich mich hoch und werde von der Größe des Universitätscampus’ geradezu erschlagen: über 4km²!
Ich sehe nur einen kleinen Teil, unter anderem die Rosengärten.
Zurück geht es entlang des Broadway. Entlang dieser Straße finden sich auf einer Länge von mehreren Kilometern Geschäfte aller Farben! Unter anderem passiere ich eine „Backstube – deutsche Brotspezialitäten“, die heute jedoch leider nicht geöffnet hat. Dass sich so ein Laden gut hält, kann ich angesichts der Anzahl der deutschen Touristen, die mir innerhalb eines Tages über die Füße gelaufen ist, gut vorstellen. In Vancouver Downtown mache ich eine letzte Schlaufe durch Chinatown; inzwischen ist es später Nachmittag und ich bin völlig erschöpft. Dennoch fahre ich noch einmal den Hafenausblick hinauf (das Ticket ist für den ganzen Tag gültig), und werde von Vancouver bei Nacht nicht enttäuscht!
Als Tagesabschluss gehe ich ins nahe gelegene IMAX – Kino (mit riesiger Leinwand), in der es um irgendwelche Lagunen und Fische geht. Ich bekomme das alles nicht recht mit, sondern schlafe auf dem angenehmen Sitz schon mal etwas!
12.9.06 19:38


2006-08-29 Wiegenfeste in Tumbler Ridge

Ich habe wohl nie wirklich damit gerechnet, einmal einen Geburtstag mitten in der Wildnis, fern von Freunden und Familie zu erleben. Wie gewünscht läuft alles recht undramatisch ab. Tina hat für mich ein Glas Nutella gekauft (inzwischen ist die gesamte Familie Webb davon überzeugt, dass dies ein Grundnahrungsmittel in Deutschland darstellt – ich habe meinen Anteil zum Leidwesen meines Bauchumfanges beigetragen), Dr Pepper organisiert und einen Käsekuchen gebacken!

Russell singt ein „Happy Birthday“ in Moll, schaut mich mitleidig an und kondoliert. Der Tag fühlt sich etwas komisch an, doch die große Sinnkrise bleibt dieses Jahr aus! Stattdessen schauen wir uns ein weiteres Naturschauspiel an: Flatbed Falls. Immerhin ist dies mein letzter Tag in Tumbler Ridge, das Wetter meint es ein weiteres Mal gut mit mir. Bizarre Felsformationen, Biberdämme und ein kleiner Wasserfall vermögen erneut, mich zu erstaunen.
Den Rest des Tages tanke ich Kraft für die Reise nach Vancouver morgen und gehe früh zu Bett, da Aufstehen schon um 5.30 Uhr angesagt ist.
Ein unspektakulärer Tag – wie ich es mir vorstellt habe. Herrlich!
12.9.06 03:57


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