* * * G.e.r.r.i.t. * i.n. * K.a.n.a.d.a. * * *






Startseite
BILDER
WORTWITZE
Archiv
Gästebuch
Kontakt

http://myblog.de/gerritinkanada





2006-06-06 Retreat MacGregor Provinvial Park

Freitag (2.6.) verlasse ich mit der WCF-Group Waterloo gen Osten: Wir besuchen für dieses Wochenende den MacGregor Provincial Park. Dort werden wir zelten - das lasse ich mir als alter campingerfahrener Hase natürlich nicht nehmen!
Jedoch gelten hier etwas andere Regeln. Strengstes Improvisieren versuche ich zu praktizieren, werde jedoch recht bald von den anderen vereinnahmt - ebenso erobern wir unser Land per PKW und nicht in gewohnter Manier per Fahrrad. Das ist schade, denn so können wir die Fertigpizza nicht gut sichtbar am Rahmen befestigen. Konsequenterweise gibt es also auch keine Pizza (eben ganz oder gar nicht).
Mit einem Trupp von 16 Leuten verfrachten wir alles in Autos; erst abends um 19 Uhr brechen wir in Waterloo auf und nutzen die letzte Gelegenheit, uns bei Tim Hortons bzw. KFC noch einmal Fastfoodessen zu gehenmigen (ich bestelle ein Chicken Salad, bin sehr verwundert warum mich die gute Dame fragt, welches Brot ich haben möchte... "Which would you recommend today?"-"Oh, that is absolutely your personal choice...", und als ich ein Sandwich serviert bekomme, denke ich zuerst, dass es nicht für mich bestimmt ist. Die anderen amüsieren sich köstlich.). Nach dieser Pause ist es folglich schon dunkel, als wir am Ziel ankommen. Immerhin haben wir eine Strecke von ca. 200km zurück zu legen; der Park befindet sich am nordöstlichen Ufer des Lake Huron.
Provincial Parks haben keine deutschen Pendants. Es ist entfernt vielleicht so wie ein Naturschutzgebiet, nur - so wie alles hier - um ein paar Größenordnungen geräumiger (ja, ihr habt recht, wenn ihr nun denkt, dass das dann ja genau das richtige für mich sein müsste). Vom Parkzugang, an dem wir unsere Ankunft registrieren, dauert es noch einmal 10 Minuten per Auto bis wir unseren Platz erreicht haben. Umgehend starten wir im Halogenlicht der Autoscheinwerfer das hissen der Zelte (erst einmal genug, die Aufteilung der Personen erfolgt hinterher... interessante Strategie). Feuerholz wird klein gehackt; und hier starten die Kuriositäten: Wir haben unser eigenes Feuerholz mitgebracht (das Camp befindet sich mitten im Wald), und auch sonst wünscht man kaum, auf die Vorzüge der Zivilisation zu verzichten. Immerhin gibt es keine Duschen, dafür Plumpsklo und eine Waschrinne (unter die sich gemütlich ein Stachelschwein=porcupine gehängt hat).
Zwei kleine Gaskochherde mit voll ausgestattetem Geschirr, Campingstühle mit cupholder und Futter aus Dosen geben uns das angenehme Gefühl, moderne Menschen in einer Wildnis zu sein. Nach einem Input von Chris gibt es ein ausgiebiges Lagerfeuer; allerlei animalische Geräusche sind im Hintergrund zu vernehmen. Ich wurde vorgewarnt, dass es hier rattlesnakes gebe. Da ich noch nie eine gesehen bzw. gehört habe, neige ich schnell dazu, jedes unbekannte Geräusch diesen unangenehmen Zeitgenossen zuzuordnen. Entsprechend vorsichtig begebe ich mich in Richtung meines Zeltes, und da - plötzlich ... taucht es vor meinen Augen auf, ich begebe mich sicher hinein.
Die Nächte sind recht kühl; dummerweise habe ich mein Kopfkissen im Kofferraum vergessen, sodass ich mit einem Badetuch vorlieb nehmen muss (ist allerdings keine neue Erfahrung).

Am nächsten Morgen sind alle sehr froh, Zähne putzen und den Kopf unter laufendes Wasser halten zu können.
Das Schöne beim campen ist, dass man ca. die Hälfte des Tages damit verbringt, essen vorzubereiten bzw. zu vertilgen. Den Rest der Zeit kann man einfach relaxt in der Sonne hocken, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Es is ungewohnt entspannend.
So auch der hike am Nachmittag zum Lake Huron. Das Wasser ist überraschend lau und einige Mutige wagen den Sprung.

Wir verpflegen uns mit gebratenem Schinken und Rührei zum Frühstück, Spaghetti und Sauce mittags sowie Sandwiches. Zu keiner Mahlzeit fehlen dürfen natürlich Chips! Die Leute schlackern mit den Ohren, wenn ich sage, dass Chips in Deutschland nur als Snack gegessen werden. Auch Ketchup und Erdnussbutter sind nicht substituierbar!
Am Lagerfeuer gibt es herrliche Marshmallows und S'mores bzw. banana boats.
Die zweite Nacht ist aufgrund dickerer Kleidung, höherer Temperatur und Kopfkissen weit angenehmer.
Damit nähert sich das Wochenende viel zu schnell dem Ende zu; allerdings sind alle froh endlich wieder den Gedanken einer Dusche und Matratze fassen zu können.
Mit dem gemeinsam formulierten Ziel, als Kleingruppe einige Tripps zu unternehmen (Niagara Falls, Toronto, Wonderland, ...) komme ich zwar müde, aber glücklich wieder nach Hause.
6.6.06 21:58


2006-06-08 Zwischenexamen

Kaum vom erholsamen Wochenende wieder in Waterloo angekommen, erwartet mich ein ganzer Stoß an Arbeit! Schließlich ist dieses Trimester nun schon zur Hälfte vorbei, und da gibt es die sogenannten "midterm exams", also Prüfungen zur Halbzeit des Trimesters. Da bin ich zu einem extremen Umdenken von meiner Paderborner Lernstrategie gefordert, wo es darauf hinauslief, das Semester über lau zu leben und in der Prüfungsphase einige Wochen richtig Gas zu geben. Hier ist der Lernaufwand eher konstanter, was auch durch Tutorien und Hausaufgabenblätter bewirkt wird.
Mittwoch ist meine erste Prüfung in dem Fach "Wirtschaft für Ingenieure". Ist nichts wirklich grundlegend neues für mich, doch die Begriffe sind komplett unbekannt und es ist ein guter Überblick über die Dinge, die ich im Paderborner BWL-Teil nur verstreut zusammen gelesen bekomme.
Nach für meine Verhältnisse eher mäßiger Vorbereitung gehe ich in die Prüfung und bin mit dem Verlauf ganz zufrieden.
Nun habe ich noch nächste Woche Dienstag und Freitag Prüfungen vor mir.
Mittwoch am Abend trifft sich wieder unsere Kleingruppe. Wir kochen gemeinsam Essen für "Oasis" - das ist nicht etwa diese Musikband, sondern eine Einrichtung der Stadt Kitchener, die Bürgern der Arbeiterklasse eine kostenlose Mahlzeit anbietet. Verschiedene sozial orientierte Gruppen können sich da für einen Abend "einmieten" und die Verpflegung übernehmen - so wir für kommenden Freitag Abend.
Wir haben uns - ganz kreativ - für Spaghetti mit Tomatensauce mit Nachtisch entschieden, wobei unsere Kleingruppe für die Sauce zuständig ist (andere Kleingruppen machen den Rest). Wir rechnen mit 100-150 Leuten, und so dauert es einige Stunden, bis wir alles fertig haben. Die fertige Sauce wird so lange eingefroren (zum Leidwesen von Andrew, der dazu ca. 80% seiner Kühlschrankkapazität opfern muss).
Als krönenden Abschluss fahre ich per Fahrrad die 5km heim. Es ist kurz nach Mitternacht, doch dank installiertem Licht am Bike fühle ich mich sicher! Auf einem Bürgersteig der Columbia Street sehe ich einige Meter vor mir ein kleines Tier entlang laufen. Zunächst halte ich es für ein Eichhörnchen, dann für eine Katze. Als ich es fast eingeholt habe, kann ich es gar nicht mehr zuordnen. Es dackelt kreuz und quer über den Weg, sodass ich sehr aufpassen muss, es nicht zu überfahren. Als es mich realisiert, bleibt es schlagartig stehen, es hört sich an, wie wenn man mit dem Rad eine Vollbremsung auf Asphalt macht und noch ein Stück gleitet (nicht rollt). In dem Moment passiere ich es auch schon, und Ich fühle ein feuchtes Sprenkeln an meinem linken Bein, und da ahne ich schon... das Geräusch hörte sich auch so an, wie wenn man einen Wassersträuber verwendet. Daheim angekommen, realisiere ich den penetranten Geruch, der von meinem Bein aufsteigt. Es ist ein Stinktier gewesen, und das macht seinem Namen alle Ehre!
Der Geruch ist nicht so richtig derbe, schon unangenehm, aber wird erst durch die Intensität richtig fies.
Von meiner Haut bekomme ich den Geruch mit Seife abgewaschen; meine Kleidung übernachtet draußen zum Auslüften.
8.6.06 21:54


Stinktierupdate 2006-06-11

In meinem letzten Blogeintrag habe ich davon berichtet, von einem Stinktier beglückt worden zu sein.
Nun, in der Nacht kam ich also, einen unangenehmen Geruch verbreitend, nach Hause und ließ meine Sachen unter freiem Himmel ausräuchern.
Damit ist die Geschichte allerdings keineswegs erledigt, wie der geneigte Leser annehmen könnte (und ich es auch zunächst tat).
Als am Donnerstag Abend meine Gastmutter, ihres Zeichens Krankenschwester, nach Hause kommt, tritt der Ausnahmezustand ein!
Meine kontaminierte Kleidung kommt in einen strahlengeschützten Plastiksack, das Fahrrad wird feinst säuberlich gereinigt, und auch ich bleibe nicht verschont - sondern habe das zweifelhafte Vergnügen, ein Bad in Tomatensaft zu nehmen. Zu diesem Gebräu hatte ich seit einem Jungschartag in Ohof (Ecce, casa dei ad homines!) bereits eine ganz besondere Beziehung (Getränkeraten...); am Vorabend haben wir ja zusammen für ca. 100 Personen Tomatensauce gemacht - wäre es nach diesem Stinktierangriff gewesen, hätte ich mich sicher dagegen gewehrt.


Nächste Woche Montag und Freitag folgen weitere Zwischenprüfungen. Bis dahin wünsche ich allen Lesern viel Vergnügen im heiteren Deutschland, genießt die Fussball-WM... das Eröffnungsspiel habe auch ich mir nicht entgegen lassen und bedauere ein wenig, nicht bei einer der großen Festmeilen dabei sein zu können!
Danke für die mittlerweile 1.000 Besucher auf diesem Blog, mögen es stetig mehr werden!

11.6.06 16:08


2006-06-22 Kleine Momente

Endlich wieder Neuigkeiten!
Ich habe euch nun lange genug warten lassen, so kommen heute frische Neuigkeiten!
Letzte Woche hatte ich durch die Zwischenprüfungen bedingt einen Mangel an Zeit, sodass ich es nicht geschafft habe euch mit neuem Lesefutter zu versorgen.
Seitdem ist natürlich wieder viel passiert, und ich versuche mich an das Wichtige zu erinnern und euch mitzuteilen.
Besonders aufgefallen sind mir Kleinigkeiten, an denen ich mich erfreuen konnte. So letzten Dienstag: Zum ersten Mal habe ich ein Fastfoodrestaurant in Kanada gefunden, das Fahrradständer hat! Es ist also doch noch nicht alles verloren. Am gleichen Tag habe ich mir endlich ein "Germany"-Shirt gekauft. Schließlich hat unsere Elf die Vorrunde glänzend überstanden! So freue ich mich auf das Spiel am Samstag.
Des Weiteren versuche ich einige persönliche Gewohnheiten dem kanadischen Volk näher zu bringen. Letzten Freitag waren wir aufgefordert, einen Kreis mit unseren Stühlen zu bilden. Meine Bemerkung, dass wir dazu nicht genügend Stühle hätten, haben leider nur die wenigsten verstanden. Außerdem müsste der Raum dann "ziemlich" groß sein...
Noch ungewohnter ist die "korrekte" Verwendung der Antworten "Ja" und "Nein". So hatte ich vorhin böse Blicke zu ertragen, als ich die Frage "Schmeckt es nicht gut?" ("Doesn't it taste good?") mit "No" beantwortete.
Vergangenen Samstag bin ich mit Andrew zusammen per Fahrrad im Touristenkaff "St Jacobs" gewesen. Neben einem Haufen typischer Klimbimläden gibt es dort einen Schuppen, in dem es Allerlei aus der nordamerikanischen Kulturgeschichte gibt. Außerdem werden dort Strohbesen in Handarbeit gefertigt.
Nach einem Besuch des Honigsirupmuseums hatten wir bei 32°C und 40km genug.
Diesen Freitag (also morgen) geht Oasis in die zweite Runde (siehe dazu meinen vorletzten Blogeintrag).
Ansonsten viel Alltag.
Wer Interesse an weiteren Bildern von unserem Camp hat, kann diese unter der folgenden Adresse anschauen:
www.abirdgoes.ca

23.6.06 03:32


Gratis bloggen bei
myblog.de