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2006-08-13 Urlaub und Freizeit - Überblick

Hallo allerseits!
Es tut mir leid, euch erneut so lange gewartet haben zu lassen! Deswegen kommt hier gleich ein ganzer Schwung auf einmal. Ich hoffe, ihr verkraftet das!
Die letzten Wochen wurden von Abschlussexamen und Familientreffen geprägt. Ich bin sehr dankbar, dass meine Gastfamilie mich etwas mit in diese Treffen einbindet - so weit möglich und angemessen. Bill hat 3 Brüder, welche sämtlich verheiratet und -eltert sind (Bob&Pet, Bill&Marilyn, Richard&Velma, Russel&Tina) Da Kanada ein bisschen größer als Deutschland ist, fällt die Organisation eines gemeinsamen Treffens nicht ganz einfach. In etwa alle zwei Jahre treffen sich dann aber doch alle zu einem gemeinsamen verlängerten Wochenend - Camp.
Die Tage zuvor ist dieses Haus hier gut gefüllt gewesen! Sämtliche Familien wurden nach und nach hier eingeladen und haben jeweils 3-4 Tage hier verbracht. So hatte man gut etwas von einander (weil nicht alle auf einmal)! Ich kam dadurch auch in den Genuss, meine "Gastonkel und -tanten" sowie "Gastcousins" kennen zu lernen! Ich habe mich mit allen sehr gut verstanden, und es hat sich die wunderbare Gelegenheit für mich ergeben, bei einigen von ihnen Urlaub in British Columbia zu machen!
Diesen Urlaub musste ich mir allerdings zuvor verdienen! Die letzten Woche habe ich mit intensivem Lernen für die Abschlussklausuren zubringen dürfen. Es waren zwar nur drei, aber sie waren recht umfangreich und zudem in einer fremden Sprache. So hatte ich gut damit zu kämpfen aber letzlich sind zwei von ihnen doch gut gelaufen; die dritte war fies. Jedoch ist nur relevant, dass ich sie hinter mir habe und nun endlich das Land erobern kann!

Hier poste ich jetzt meine Urlaubsplanung für August und September, um einen kleinen Überblick zu schaffen:
5.8. Elora Gorge
13.8. Niagarafälle
14.8.-18.8. Ottawa
19.8.-20.8. Camp in ???
24.8.~9.9. British Columbia
Dabei teilt sich diese Zeit in etwa wie folgt ein:
24.8.~28.8. Tumbler Ridge bei Tina und Russel Webb
28.8.~1.9. Vancouver
1.9.~5.9. Abbotsford bei Velma und Richard sowie Großpapa Webb
5.9.~9.9. Vancouver
Ganz genau stehen die Daten noch nicht fest, vor allem bin ich
mit dem Hin- und Herfahren zwischen Vancouver und Abbotsford noch nicht ganz zufrieden. Dies ist eine Distanz von ca. einer Autostunde, und Richard kann mich mitnehmen, da er in Vancouver arbeitet. Mal schauen.

Nun werde ich den Bericht über den 5.8. Elora Gorge schreiben, der allerdings über diesem Eintrag erscheinen wird - also nicht verwirrt sein, wenn die Reihenfolge der Daten dabei etwas verdreht wird!

14.8.06 01:31


2006 -08-05 Elora Gorge

Wie eben geschrieben, ist die Reihenfolge der Daten etwas gemixt. Lasst euch nicht verwirren :-)

Schon während der Lernphase kann ich einen Tag Auszeit nehmen und in Elora Gorge ("Elora Schlucht") mit meiner Gastfamilie und Russels Familie einen sonnigen Tag verleben! Neben der Möglichkeit zum Tuberafting, kann man bei Freizeitsport (Baseball, Volleyball, Frisbee, Schwimmen, ...) seine Urlaubszeit versüßen und genießen.
Dabei ist Tube-Rafting sicher die größte Attraktion. Aus Erfahrung sind wir bereits um 8.30 dort, um uns anzumelden und Equipment zu leihen (ab 9 Uhr) - denn ohne Helm und Rettungsweste geht nichts! Bereits 15 Minuten später ist die Warteschlange beträchtlich gewachsen, und ich beobachte wieder einmal das typische Verhalten der Kanadier: Jeder hat seinen Campingstuhl dabei, um es beim Warten komfortabel zu haben, und man ist offen und hilfsbereit zu einander, immer für einen Scherz offen!


Hier vollende ich gerade die Tube-Rafting-Strecke! Man setzt sich in diesem Gummischlauch und lässt sich von der Strömung treiben. Einige Stellen weisen stärkere Turbulenzen und kleinere Wasserfälle auf, sodass man aufpassen muss nicht mit seinem Allerwertesten auf Grund zu stoßen und/oder zu kentern! Dies passiert mir an einer Stelle, und es ist ... nass (erstaunlich, gell?). Schlimmer allerdings ist, dass der Reifen davonschwimmt! So versuche ich hinterher zu hechten, stolpere im recht flachen und steinigen Wasser und muss einsehen, dass ich mich der Sache mit Geduld nähern muss. Glücklicherweise ist allerdings niemand zu Schaden gekommen!
Vom Ende der Rafting-Strecke zum Anfang fährt ein umfunktionierter Schulbus shuttle, in den die ganzen Reifen einfach hinten hineingestopft bzw. über den Köpfen der Passagiere deponiert werden! Ein Bus ist viel zu wenig, doch die Leute bleiben ruhig und lassen sich die Urlaubsstimmung nicht verderben.
Nach zwei Durchgängen habe ich wegen der Reibung am Gummi einen ordentlichen Wolf an den Armen und verzichte deswegen auf einen dritten Durchgang. Mit einem Piknick im Park lassen wir diesen schönen, sonnigen Tag dann ausklingen!
14.8.06 01:40


2006-08-13 Niagarafälle

Mit meiner Kleingruppe (Ashley, Holly und Andre) mache ich mich gegen Mittag auf den Weg Richtung Südwesten - zu den Niagarafällen! Gerade einmal zwei Autostunden entfernt, sind sie ein sehr beliebtes Ausflugsziel in dieser Gegend. Trotz der geographischen Nähe habe ich es bisher nicht geschafft, dort hin zu fahren. Heute endlich ist es so weit!
Holly hat bis 11.30 Uhr ihre letzte Prüfung, und auch ich habe die letzte gestern hinter mich gebracht! Der Urlaub kann also wahrhaftig beginnen.
Auf halber Strecke suchen wir einen schönen Park auf, in dem wir unser Mittagessen zu uns nehmen. Ashley hat Sandwiches und Andrew Gemüse und Obst vorbereitet! Ein weiteres Highlight ist, dass Ashley den Wagen ihres Vaters bekommen hat und wir so stolz mit einem 320er BMW durchs Land fahren. Herrlicher Wagen, besonders als Brautauto :-)


Mit Niagara Falls werden im Allgemeinen die Wasserfälle als solche bezeichnet, jedoch trägt der Ort dort den gleichen Namen. Schon von weithin sind die hohen Hotels sichtbar. Der Ort um die Fälle gleicht so ziemlich dem, was man aus Hollywood-Filmen gewohnt ist: Viele Cafes, alles natürlich mit dem Auto direkt zugänglich, Vergnügungsparks, Kasino und Touristenattraktionen en masse sind die Symbiose, die so viele Menschen anzuziehen scheint. Ich selbst finde es ganz nett, es mal zu sehen; ansonsten mag ich diese Touristenfallen weniger. Die Parkplatzgebühr direkt bei den Fällen kostet 18$ pro Auto, etwas weiter entfernt ist man mit 6.50$ dabei. Jedoch bringt uns ein Shuttlebus die ca. 2km direkt an die gigantischen Wasserfälle! Es ist ein phänomenales Bild, das sich einem bietet!

Die Gischt steigt etliche Meter hoch, selbst hier oben (ca. 60 Meter über dem Niagara River) spritzen einige Tropfen über die Brüstung. Das Wetter könnte besser nicht sein: Strahlender Sonnenschein, und die größte Sommerhitze ist auch überstanden, bei ca. 25°C kann man es aushalten.
Unten in der Brandung dreht ein Schiff seine Runden, "Maid Of The Mist" ("Maid der Gischt"). Dazu wird eine Führung "Behind the Falls" angeboten, bei der man hautnah mit dem heruntertosenden Wasser in Berührung kommen kann.
Wir entschließen uns trotz der vorhergesagten einstündigen Wartezeit zu der Bootstour. Gemeinsam mit ca. 150 Genossen steigen wir, allesamt in modisch-blaue Regencoats gehüllt, an Deck.


Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten und führt direkt an den beiden großen Fällen entlang! Die großen bilden eine Art Becken, das zu ca. einem Drittel von den Fällen umgeben ist, während die kleineren Wasserfälle in das bereits entstandene "neue" Flussbett rauschen. Die gute Maid hat gut damit zu tun, gegen die gewaltige Strömung anzukämpfen - immerhin stürzen durchschnittlich 4200m³ Wasser pro Sekunde hinunter (zum Vergleich: Eine Person in Deutschland verbraucht jährlich ca. 40m³, in den US of A ca. 100m³).
Dennoch kommen wir recht nah an die Tosenden Wasser hinan, das Becken gleicht einem brodelnden Kessel, und wir sind von Gischt total umgeben. Es hat etwas Endzeitliches an sich, die mächtigen Gewalten um sich herum zu fühlen und sehen. Für einige Minuten gibt die Maid alles, um nicht wieder zurückgetrieben zu werden, kommt allerdings auch nicht weiter voran, bis sie schließlich wieder abdreht.
An der Anlegestelle gibt es dann allerlei Souvenier zu erwerben, wie z.B. "Wasser, das die Niagarafälle überlebt hat". Mit gut 3$ für 10ml ist man dabei!
An dieser Stelle scheint das Verhältnis zwischen Kanadiern und Amerikanern gesund zu sein, erscheinen überall Hinweise wie "United we stand" (wir stehen gemeinsam). Dabei sind Kanadier im Allgemeinen weniger kameradschaftlich auf ihre Nachbarn zu sprechen.
Damit ist der Abend auch schon angebrochen, und ein wunderbarer Tag neigt sich dem Ende entgegen. Auf dem Rückweg schauen wir noch im Haus von Ashleys Eltern vorbei. Wir haben die Option, den Pool zu benutzen und zu grillen, verzichten allerdings darauf da es schon kühl und spät ist.
Gegen Mitternacht komme ich erschöpft aber sehr glücklich wieder in Waterloo an und freue mich auf die kommende Woche in Ottawa!
14.8.06 02:17


2006-08-14 Ottawa Tag 1/5 (Anreise)

Nachdem mein Sommerurlaub mit dem Niagarafälle-Besuch einen sehr guten Einstieg gefunden hat, mache ich mich heute auf den Weg nach Ottawa. Bill bringt mich zur Universität; von hier aus fährt der Greyhound-Bus um 9 Uhr morgens über Toronto (umsteigen) zur kanadischen Hauptstadt. Dank Studentenrabatt und Frühbuchertarif bin ich mit weniger als 100Ca$ (70€ auf der je 6-stündigen Hin- und Rückreise dabei! Der Bus von Waterloo nach Toronto ist gut gefüllt; zum Umsteigen habe ich planmäßig ca. 45 Minuten – so begebe ich mich umgehend zum Bussteig sehe das Vehikel bereits wartend. 10 Minuten vor Plan fährt der Bus zu meinem Erstaunen ab! Erst später realisiere ich, dass alle Plätze belegt sind und offenbar ein weiterer Bus eingesetzt wird, da noch weitere Passagiere in Toronto auf die Beförderung warten. Von einem 20-minütigem Zwischenstopp unterbrochen, gelangen wir problemlos am Ziel an. Die Landschaft unterwegs ist wenig abwechslungsreich und durch viel Wald und Wasser gekennzeichnet.
In Ottawa schließlich bin ich völlig auf mich selbst gestellt; die Haltestelle ist nicht gerade im Ortskern. So darf ich, weder Stadt- noch Busplan besitzend, mich zur Herberge durchschlagen. Letztlich gelingt es mir ohne Umwege, doch nicht auf dem schnellsten und komfortabelsten Weg meine Unterkunft zu finden - meine Füße schmerzen etwas angesichts des Fußmarsches mit Reisegepäck. Dies kann mich aber nicht davon abhalten, noch einen Ausflug ins Stadtzentrum zu den Regierungsgebäuden zu machen.

Glücklicherweise liegt meine Herberge „nahe“ dran. Abends rufe ich Holly an, die in Ottawa wohnt und auch gerade weilt, und verabrede mich für den nächsten Morgen, um mir ihr Fahrrad auszuleihen!
31.8.06 07:59


2006-08-15 Ottawa Tag 2/5 (Fahrradrundtour)

Per Bus (Transpo) finde ich Hollys Elternhaus, nachdem ich Kaffee auf mein Shirt gekleckert habe. Ich treffe ihre Mutter Nancy, tanke etwas Energie und beginne mein heutiges Projekt: Abfahren aller für mich interessanten Attraktionen (echt abgefahren). Die Online-Bilder zeigen euch, was ich alles gesehen habe: Die Experimental Farm (hier führt der Staat Versuche an unterschiedlichen Pflanzen, vornehmlich agrarkultureller Art durch – was genau habe ich nicht erfahren, doch sicherlich viele gentechnische Veränderungen) liegt mitten in Ottawa und umfasst ein riesiges Areal. Entlang des Ottawa Kanal finden sich schöne Parks und imposante Gebäude, die (eine) Universität sowie die Deutsche Botschaft! Glücklicherweise bestand für mich noch kein Grund, diese aufzusuchen. Weiter geht es mit der Stadthalle und schließlich den Parlamentsgebäuden, die dem englischen Vorbild recht deutlich entsprechen (wenngleich um einiges kleiner).
Übrigens ist Ottawa deswegen von Queen Victoria ehemals zur Hauptstadt ernannt worden, weil es sowohl weit genug landeinwärts (Konflikte zu den USA) als auch an der Grenze von Ontario und Quebec liegt.

Diese Provinzen waren seinerzeit die „wichtigsten“ und so wurde dem ewigen Streit vorgebeugt, in welcher Provinz denn nun die Hauptstadt liegt.
Während Ontario englischsprachig ist, ist französisch offizielle Amtssprache in Quebec. Ottawa auf ontarioscher Seite ist durch den Ontarioriver vom quebecscher Pendant Gatineau getrennt, so ergreife ich die Gelegenheit die Provinz Quebec zu besuchen!
Ich empfinde es als sehr kurios, dass der Fluss nicht nur eine politische Grenze darstellt, sondern ebenfalls Kulturen und Mentalitäten trennt!
Hauptziel ist das Museum of Civilization, dessen Architektur bemerkenswert ist. Zudem gibt es eine schöne Aussicht auf die Parlamentsgebäude von der anderen Flussseite. Zurück nach Ottawa gelange ich über die Alexandra Bridge, an der vorbildliches Ingenieurshandwerk demonstriert ist. An deren Ende befindet sich der Nepean Point – eine Aussichtsplattform mit schönem Überblick über die Stadt. So viel an einem Tag zu verarbeiten ist eine Herausforderung, zumal ich auch körperlich mit 40 Fahrradkilometern ausgelastet bin. Dennoch entschließe ich mich zu einer durchaus interessanten Führung durch das Hauptparlamentsgebäude, die eine Besichtigung des Unter- und Senatorenhauses (beim Betreten werden wir gebeten, in Respekt gegenüber Ihrer Majestät Königin Elizabeth II. sämtliche Kopfbedeckung abzunehmen) sowie der Bibliothek einschließt. Sehr interessant, einiges über das politische System Kanadas zu erfahren!
31.8.06 08:01


2006-08-16 Ottawa Tag 3/5 (Train de vapeur / Gatineau Park)

Auf „französischer“ Seite wird eine Fahrt mit einem Dampfzug angeboten – da dieser Stadtteil jedoch sein eigenes Bussystem betreibt und ich wenig bis keine Lust habe, mich mit der französischen Sprache auseinanderzusetzen, bleibt mir als Alternative, per Fahrrad zum betreffenden Bahnhof zu gelangen. Es geht mit moderater Geschwindigkeit (die 64km dauern 4 Stunden) in ein kleines Kaff namens Wakefield; hier wird den Passagieren die Möglichkeit gegeben, während der zweistündigen Pause in sämtliche installierte Touristenfallen zu tappen. Immerhin gibt es eine gute Bäckerei, die Zugfahrt ist humorvoll moderiert (französisch und englisch), und Musiker mit Geige und Gitarre sorgen für Unterhaltung und laden zum Mitsingen ein (leider kenne ich natürlich auch keine französischen Chansons). Sie spielen auch in Wakefield eine gute Zeit; zudem wird das interessante „turn table“ demonstriert: Per Manneskraft wird die Lok auf einer Drehscheibe um 180° gedreht und somit für die Rückfahrt vorbereitet. Im Ort selbst finden sich übrigens nette Gasthäuser mit Namen wie „Wunderbar“!
Zurück in Gatineau angelangt, erobere ich per Rad einen Teil des riesigen Gatineau Parks: Ein Nationalpark, der sich über ca. 800km² nördlich vom Ort erstreckt, und an dessen Rande die Zugstrecke führte.

Es ist recht hügelig, doch dank der asphaltierten Wege und herrlichen Landschaft ein Genuss! Besonders den Pink Lake finde ich sehr beeindruckend – ein Bergsee, an dem ich mich auch fotografieren lasse! Fürwahr findet sich hier ein Paradies für Freizeitaktivisten, die gern wandern, joggen, Fahrrad fahren und skaten.
Die sechsstündige Zugfahrt und ausführliche Radtour lassen den Tag schnell enden.

31.8.06 08:02


2006-08-17 Ottawa Tag 4/5 (Treffen mit Holly und Mike)

Zwei Freunde, die ich in der Hochschulgruppe in Waterloo kennen lernte, kommen ursprünglich aus Ottawa. So fügt es sich, dass wir diesen Donnerstag gemeinsam verbringen und sie mich in einige „Insidergeheimnisse“ der Stadt einweihen können.
Als Treffpunkt ist das Kriegsdenkmal nahe den Parlamentsgebäuden um 10 Uhr vereinbart. Zuvor habe ich einige Dinge in einer Shopping Mall zu organisieren; direkt am Ausgang zu meinem Fahrrad glaube ich meinen Namen zu hören, gehe jedoch einige Schritte weiter, bis ich mich umzuschauen entscheide. Und tatsächlich – es ist Mike! Zur falschen Zeit am falschen Ort laufen wir uns zufällig über den Weg! Mein University of Waterloo – Rucksack hat mich verraten, so konnte er mich von hinten problemlos erkennen…
Täglich um 10 Uhr findet die Wachablösung statt, in die wir hineingeraten. Zum „Vorbild“ in London sind jedoch erhebliche Unterschiede. Anstatt tausender Touristen, die durch berittene Garden mit „Move! Move!“ – Kommandos zur Seite gedrängt werden, finden sich ein paar Dutzend Interessierter am Straßenrand, die dieses von Musik begleitete Spektakel beäugen.
Wie jeder vernünftige Kanadier, beginnen auch wir anschließend diesen Tag mit einer Tasse Kaffee von Tim Hortons. Derart gestärkt erkunden wir die Stadt auf etwas unkonventionelle Art: Wir buchen eine Tour mit dem Amphibus. Dies ist ein Gefährt, das sowohl land- als auch wassertauglich ist (wie der Name schon erwarten lässt). Nach einer Stadtrundfahrt, die alle wesentlichen Touristenattraktionen abklappert, geht es auf quebecscher Seite endlich in den Ottawariver! Es ist ein komisches Gefühl, aber wir genießen diese Tour im vollen Bus („Amphibus is hilarious!“.

Wir sind gut zu Fuß unterwegs, machen es bis zur Rideau Hall und schließen uns einer Führung an. Die Rideau Hall ist der Sitz des Gouverneur-General von Kanada, Ihre Exzellenz Michaelle Jean. Sie ist die offizielle Repräsentative Ihrer Königlichkeit Elizabeth II. und erfüllt politisch so ziemlich die selben Ämter wie unser Bundespräsident (Gesetze unterschreiben, repräsentieren, Staatsempfänge, …. Der Sitz ist schön und edel, aber nicht protzig. Die eigentliche Empfangshalle ist ursprünglich als Sporthalle gebaut worden, die seinerzeit auch zu ihrem jetzigen Zwecke umfunktioniert werden konnte.
Von der Rideau Hall geht es zurück zum Museum of Civilization. Im IMAX-Kino schauen wir uns eine Wanderung auf die Spitze des Kilimanjaro an. Die riesige Projektionsfläche umfasst die gesamte Kuppel des Kinosaals und erschlägt einen im ersten Augenblick! Nach unserer langen Wanderung ist dies immerhin eine gute Gelegenheit, in den bequemen Stühlen auszuruhen.
Hollys Mutter hat uns alle zum Abendessen eingeladen. Mike ist leider verhindert, doch ich nehme gern dankend an! Da wir jedoch kollektiv mehr als einfach nur hungrig sind, gehen wir eine Kleinigkeit essen und ich probiere zudem „Beaver tail“ (Bieberschwanz). Es ist so ähnlich wie Crepes, nur etwas dicker und hat die namensgebende Form.
Die Buslinie 95 bringt uns und das Fahrrad zu Hollys Haus. Der Busfahrer demonstriert uns, wie das Fahrrad zu sichern ist, nimmt es wieder herunter und lässt uns die gleiche Prozedur wiederholen („sonst bin ich verantwortlich, wenn was passiert“ … naja….
Dummerweise habe ich so viel gegessen, dass ich – gelinde gesagt – wenig Hunger habe, als Nancy das sehr leckere Essen auftischt. Hier fällt mir einmal mehr der Unterschied zwischen deutscher und kanadischer Kultur auf. Beim Betreten des Hauses treffe ich auch ihren Mann, Rob, den ich wie selbstverständlich mit Vornamen anrede. Im Laufe des Abends bieten sie mir an, dass ich gern bei ihnen übernachten kann, wenn ich mal wieder in Ottawa sein sollte…
Es ist mir etwas unangenehm, dass ich mit so wenig Hunger gekommen bin und deswegen nicht allzu viel essen kann. Jedoch versuche ich zu betonen, dass das Essen wirklich vorzüglich schmeckt!
Hollys Bruder bringt mich nach einem schönen Abend, der mit lockerer Unterhaltung ausklingt, wieder zur Herberge.
31.8.06 08:03


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