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2006-08-19/20 Rattlesnake Point

Gerade einmal eine Nacht verbringe ich in Waterloo, und ich bin gar nicht recht angekommen – da geht es schon weiter! Gemeinsam mit Andrew H., Andrew W., Jacob und Chris fahre ich auf ein Wochenendcamp am Rattlesnake Point. Der Name gibt mir zu denken, doch ich beschließe dass es dort keine Klapperschlangen geben kann. Schließlich ist das Campgelände nur ca. 50km von Waterloo Richtung Toronto entfernt.
Andrew W. holt mich zu Hause ab, und nach einer kurzen Einkaufstour beim Farmers Market finden wir dank Blackberry-Navigationssystem und meiner Kartenlesefähigkeit ohne Probleme unser Ziel. Es ist bereits Samstag früher Nachmittag, ich treffe Andrew Hutchinson zum ersten Mal! Die Wettervorhersage hat Regen angekündigt, und so beeilen wir uns die Zelte aufzuschlagen. Kaum damit fertig, kommen tatsächlich die ersten Tropfen! Dabei haben wir noch nicht einmal ein Feuer entzündet, das wir dringend brauchen, um unsere Mahlzeiten zu kochen! Außerdem haben wir kein Feuerholz mitgebracht und versuchen dieses beim Campstore zu bekommen. Die haben derzeit jedoch auch keins, versprechen aber, im Laufe des Nachmittags jemanden herumzuschicken. Inzwischen regnet es richtig, doch wir beschließen, uns nicht unsere Laune vermiesen und von unseren Plänen abbringen zu lassen. So machen wir eine ca. zweistündige Wanderung, die weitestgehend durch Waldgelände führt – daher ist es nicht ganz so feucht, doch die Kleidung wird natürlich auch nicht trocken. Dies versuchen wir am Lagerfeuer, welches wir nun endlich entfachen können, zu ändern – recht vergeblich. Es nieselt auch am Abend weiterhin. Immerhin hält der Qualm uns die Mücken vom Leib, und dass wir alle verrußt riechen stört uns herzlich wenig.
Wie schon auf dem Camp vor einigen Wochen am MacGregor-Point benötigen wir auch hier viel Zeit, Essen vorzubereiten. Nebenbei wird sich körperlich bei Frisbee, Fußball und Football betätigt.
Die Nacht ist ruhig und entspannend, aber auch kurz – typisch für Camps. Am Sonntag lockt uns ein strahlend blauer Himmel aus unseren Zelten! Es ist erstmal noch etwas frisch, doch verspricht ein herrlicher Tag zu werden! So faulenzen wir aktiv bis zur Abreise.
9.9.06 20:53


2006-08-24 Abreise in den Westen Kanadas!

Zwischen der Ottawa&Camp-Woche und meinem zweiten Sommerurlaubteil kann ich mich drei Tage lang erholen. Mittwoch Abend kommen Daniel, Markus und Stephan aus Paderborn nach Waterloo. Sie werden hier das Trimester bis Jahresende bleiben. Leider habe ich aber erst einmal nicht die Möglichkeit zu sehen, da Donnerstag um 7 Uhr früh mein Flugzeug von Toronto abhebt. Das heißt konkret, dass ich um 6 Uhr (besser 5.30 Uhr) dort sein muss und Waterloo also um 4.30 (oder 4 Uhr) verlassen muss. Ich nutze den Service von Airwaystransit, der mich pünktlich um 4 Uhr aufsammelt. Neben mir sind noch eine Studentin und ein Ehepaar an Bord.
Inzwischen bin ich ja halbwegs routiniert, was Flüge angeht, und der englischen Sprache auch vertraut genug, um meinen Weg zu machen. Der Flieger bringt mich von Toronto nach Edmonton; hier steige ich in den Flieger nach Grande Prairie um. Geplant ist, dass mich dort Tina abholt – per Email ist alles verabredet, und ich vertraue darauf, dass alles klappen wird!
Der Flug nach Edmonton ist wenig spektakulär (3000km flaches, ödes Land: Westontario, Manitoba, Sesketchewan, Alberta), bis auf dass jeder einen Touch-Screen-Fernseher mit großer Auswahlpalette an Programmen, Musik und Radio in der Kopfstütze des Vordermannes zur Verfügung hat. Der Anschlussflug hat da schon mehr zu bieten: Allein das Flugzeug ist ein Erlebnis!

Zudem wird die Landschaft abwechslungsreich, grüner – vieeel Wald, ist von Flüssen durchzogen und die ersten Erhebungen werden sichtbar! Mit mir kommen mein Gepäck und ca. 30 Passagiere sicher an. Mit diesem Flughafen habe ich den kompletten Kontrast zu Toronto vor mir liegen! Hier gibt es zwei oder drei Schalter, alles ist extrem … übersichtlich. Vor der Tür (das Gebäude hat in etwa die Größe eines Bahnhofsgebäudes einer Kleinstadt in Deutschland) auf einer Bank sitzen Leute und rauchen, vertreiben sich den Tag. Die Uhren gehen hier langsamer!
Tina hat angekündigt, etwa 30 Minuten nach meiner Ankunft da zu sein – also zwischen 12.30 und 13 Uhr. Genauso trifft es auch ein! Ich freue mich sehr, sie und ihre beiden Söhne wieder zu sehen! Ihr Mann Russell muss den Tag über arbeiten; sie ist Aushilfslehrerin an einer Schule und hat deswegen noch Sommerferien.
Sie haben mich zu sich nach Hause eingeladen und werden mich für die kommenden sechs Tage aufnehmen! Ich freue mich sehr darüber, mit diesen netten Menschen zusammen sein zu können und zudem ihren Ort zu erleben. Sie leben in Tumbler Ridge, einer ca. 2000 Einwohner zählenden Ortschaft mitten in der Pampa! Im Umkreis von 150km ist nichts als wilde Natur der Ausläufer der Rocky Mountains. Ich bin schon sehr gespannt darauf! Genauso gespannt bin ich auf meinen nahenden Geburtstag, den ich dort verleben werde. Ich habe ihnen nichts davon erzählt und auch Marilyn und Bill gebeten, dies nicht zu erwähnen – ich möchte gern, dass es ein ganz normaler Tag wird da ich nicht weiß, wie es werden wird, ohne Familie und Freunde! Wird es traurig, melancholisch, …? Oder doch halb so schlimm?
Da sie so weit ab wohnen, nutzen sie die Gelegenheit zu einem Großeinkauf in Grande Prairie (37000 Einwohner), denn hier findet sich alle nötige Infrastruktur! Solche Einkäufe können sie vielleicht alle zwei Monate mache.
Im geräumigen Truck findet sämtlicher Einkauf Platz. Die Windschutzscheibe ist total beschädigt! Hunderte kleine und größere Steinschläge sowie ein Riss, der sich über die ganze Breite am unteren Rand zieht, zeugen von teilweise schlechten Straßenverhältnissen und schwerem Verkehr in ihrer Gegend.
Die Zeitverschiebung von minus drei Stunden und das frühe Aufstehen (drei Uhr) lässt mich früh müde sein, doch ich habe mir vorgenommen bis zum Abend durchzuhalten, um schnellstmöglich in den neuen Rhythmus hineinzukommen.
Nach ca. dreistündiger Anfahrt (inzwischen ist es Nahe Abendbrot) bekomme ich eine Stadtrundfahrt (dauert drei Minuten und umfasst alles Wesentliche) und bin beeindruckt von der schönen Landschaft! Außerdem fällt mir die Gemeinschaft auf, die sich auch in deutschen Dörfern findet, man kennt einander. Das Haus der Webbs ist nicht groß, aber wohnlich und hat einen großen Garten! Hier finden sich eine Holzterrasse, ein Trampolin, Feuerstelle, Gemüsegarten, große Rasenfläche und andere feine Sachen. Wir genießen leckeres Abendessen, das wir von KFC unterwegs mitgebracht haben, und nach anschließenden Gedanken über die vor uns liegenden gemeinsamen Tage (Ausflugsziele, … falle ich bald müde ins Bett! Ich habe etwas ein schlechtes Gewissen, weil ich kein Präsent mitgebracht habe, mache mir aber nun keine sinnlosen Gedanken darüber.
9.9.06 20:55


2006-08-25 Ausflüge Tumbler Ridge / Kinuseo Falls

Mein erster Ausflug ist gemeinsam mit Tina: Wir unternehmen eine kleine, ca. eineinhalbstündige, Wanderung entlang einem der vielen Pfade, die sich um den Ort und durch die ganze Gegend ihren Weg bahnen. Zwar ist Tumbler Ridge gerade einmal 25 Jahre alt, doch bieten sich hier viele Freizeitaktivitäten für Outdoor-Freunde: Viele Wege, die zum Radeln, Wandern und Joggen geeignet sind werden durch Freeclimbing-, Rafting- und viele weitere Angebote ergänzt. Nicht zuletzt staatliche Förderung der Gemeinde ermöglichen dies. Der Ort gegründet worden, nachdem Kohlevorkommnisse gesichtet wurden. Da sich offensichtlich zu wenig Menschen fanden/finden, die in der Wildnis leben möchten, und sich die Ansässigen das Leben verschönen möchten, sind viele freiwillige Helfer dabei beteiligt, den Ort attraktiver und lebenswerter zu gestalten. Dennoch hat sich hier bisher kein Tourismus etabliert, was sicher gerade die Schönheit und den Reiz ausmacht. Die Gemeinschaft ist intakt, die Leute kennen einander und man pflegt gute Nachbarschaften.
Mein erster Trip führt einen steilen Weg hinauf – ich bemerke, dass meine Schuhe zum Wandern miserabel sind! Dennoch schufte ich mich hinauf, und werde durch herrliche Ausblicke auf nahezu unberührte Natur belohnt! Wir gehen auf einem bewaldeten Kamm endlang, mehrere hundert Meter lang, doch nur ca. 50 Meter breit. Nach dem Durchqueren bietet sich aus dem Nichts ein atemberaubender Anblick:

Ein breiter, flacher Fluss schlängelt sich durch eine vor uns liegende Ebene, entfernten Bergen entgegen! Dies ist die Landschaft, die Bilder von Kanada typischerweise zeigen, ich bisher aber in Ontario nicht zu sehen bekam. Dazu ist das Wetter in bestechlicher Form! Meine Höhenangst kann mir da die Laune nur unwesentlich trüben.
Für den Nachmittag steht ein weiteres Bonbon an: Russell hat frei, und so können wir alle gemeinsam einen Abstecher zu den Kinuseo Falls machen. Der MurrayRiver stürzt ungebändigt 60 Meter in die Tiefe und übertrifft damit die Niagarafälle. Es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel, vom großen Besucheransturm bisher verschont! Während des Nachmittags begegnen uns vielleicht ein Dutzend Leute (sicher trägt die Lage ihren Anteil: Von Tumbler Ridge sind es weitere eineinhalb Stunden „Straße“ (Schotterpiste, sonst nur von Holztransportern genutzt) ins Nichts).
Zunächst bestaunen wir die Fälle von oben (ein Hubschrauber dreht seine Runde), machen dann aber den Weg nach unten. Es gleicht teilweise eher einer Kletterpartie denn einer Wanderung. Es ist anstrengend, aber eine schöne Herausforderung! Der Hund Copper und der ältere Sohn, Michael, haben die wenigsten Probleme dabei. Hier unten genießen wir auf Baumstämmen die Natur und bestaunen das Tosen des Wassers.


Auf der Rückfahrt ruft Jacob auf einmal: „Ein Bär! Da war eben ein Bär!“. Flugs drehen wir um, und tatsächlich: Ein junger Schwarzbär ist in einiger Entfernung am Waldrand, wird aber bald durch Coppers Gekläffe verscheucht. Endlich, mein erster Bär in freier Laufbahn!
9.9.06 22:02


2006-08-26 (Samstag) Dinosaurierspuren

Die Gegend um Tumbler Ridge ist vor einigen 100 Millionen Jahren schon bevölkert gewesen. Menschliche Spuren konnten zwar nicht nachgewiesen werden, jedoch wurden viele Fußabdrücke von Dinosaurierklauen entdeckt. Sie scheinen beliebt genug, dass einige von ihnen über Nacht verschwanden – ausgefräst und gestohlen! Da es sich um ein naturgeschichtlich wertvolles Relikt handelt, appellierte die Kommune an den Dieb, doch bitte die Spuren wieder zurück zu bringen. Tatsächlich ist dies auch geschehen, und seither sind nicht mehr alle Spuren zugänglich bzw. Neufunde werden geheim gehalten.
Untypisch für Nordamerika an dieser Gegend ist, dass Ausflugsziele nicht direkt mit dem Auto angesteuert werden können, sondern man für gewöhnlich von einem Parkplatz erst eine kleine oder auch längere Wanderung unternehmen muss. Der Pfad zu den Dinosaurierspuren führt uns zuerst zum beeindruckenden Felsüberhang, und Michael übt sich hier im Freeclimbing. Es ist unglaublich, wie wunderschön die Natur ist! Herrliche, tiefgrüne Wälder werden von einem Strom durchzogen, an dessen Ufern sich Felswände entlang ziehen.

Dazu strahlt die Sonne, von strahlend blauem Himmel umgeben! Schließlich erreichen wir die Felsen mit den Abdrücken. Es ist faszinierend, wie gut man die Spur verfolgen kann. Ich bin mir nicht ganz im Klaren, wie die Spuren konserviert wurden, aber bin mir aufgrund des Ausmaßes der Abdrücke sicher, dass eine Begegnung mit einem Urzeitvieh nicht notwendigerweise angenehm gewesen sein muss.
Am Nachmittag wieder daheim angekommen, gelingt Tina eine riesige Überraschung für ihren Mann: Sie hat ein neues Beil (8 Pfund) zum Holzhacken gekauft! Auch ich komme in den Genuss, es auszuprobieren. Es sind halt doch Kanadier, und jedes Klischee hat seinen Ursprung (ebenso wie die Zwanghaftigkeit der Deutschen, die auch ich hier gelegentlich kokettiere)!

Das Feuerholz benötigen wir auch für den Abend, denn es wird eine Gartenparty mit etlichen befreundeten Familien stattfinden – und die Abende hier draußen sind recht kühl: Die Temperaturen fallen über Nacht bis auf den Celsius-Nullpunkt, während das Thermometer tagsüber noch an der 30°C-Marke kratzt.
Die Begegnungen mit den Menschen sind interessant; hier zu leben setzt eine ungewohnte Lebenseinstellung und die Bereitschaft, auf bestimmten Luxus zu verzichten, voraus. Die Leute sind fröhlich und aufgeschlossen, hilfsbereit und gastfreundlich. Geräuchert und müde falle ich bald ins Bett.
10.9.06 19:15


2006-08-27 (Sonntag) Gottesdienst und Boulder Gardens

Ich besuche heute die Gemeinde meiner temporären Gastfamilie. Sie ist – zahlenmäßig – klein, ja, noch kleiner als meine Paderborner Gemeinde. Jedoch sind die Räume größer…
Es wird hier ein interessantes Konzept verfolgt: Der Sonntagvormittag besteht aus drei Segmenten. Im ersten Anteil sitzt man locker zusammen, singt, teilt in der Woche Erlebtes und betet zusammen und für einander. Der zweite Teil ist etwas weniger formlos, entspricht am ehesten dem „gewöhnlichen“ Gottesdienst, an den sich noch eine Austausch- und Fragerunde anschließt. Dies hat den Vorteil, dass man über das gerade Gehörte noch einmal nachdenkt, Dinge klären kann, die man nicht verstanden hat, und sich darüber austauschen, wie das alles umgesetzt werden kann. Schließlich ist Gottesdienst ja kein Selbstzweck, zu dem es leider allzu oft zu werden droht. Natürlich bedeutet dieses Modell, dass man von 9 bis 12 Uhr „opfert“. Ich jedenfalls finde es auf jeden Fall nachdenkenswert und eine gute Idee.
Am Nachmittag fahren wir zu den „Boulder Gardens“, übersetzt in etwa „Brockengärten“. Ich kann mir zunächst wenig darunter vorstellen. Erst als wir einen Berg hinauffahren, und die Vegetation dünner wird, erahne ich, dass dies eher ein Balanceakt als ein Wiesenspaziergang wird. Die Landschaft ist bizarr und ganz anders als das, was ich bisher hier gesehen habe: Riesige Felsbrocken sind mit Tannen durchsetzt. Es gibt einen Rundkurs, der mit einer Länge von ca. einem Kilometer angegeben ist. Ich lächele etwas müde. Das Lachen wird mir aber während der Wanderung schon noch vergehen! Entlang des Weges finden sich hier und da kleine Hinweisschilder oder Markierungen. Gelegentlich finden sich kleine Abstecher entlang des Weges zu sehenswerten Plätzen. So auch der offiziell als „Lookout“ gekennzeichnete Felsen. Die Kletterpartie hinauf ist nicht ohne, erinnert mich etwas ans Bunkerklettern in Dänemark! Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie ich hier wieder hinunter kommen soll (zum Springen ists zu hoch), verschiebe das Problem aber auf später. Hier läuft natürlich alles auf eigene Gefahr, und wie schon einmal erwähnt, sind es Freiwillige, die diese Wege auskundschaften und – soweit nötig und möglich – befestigen. Dieser Posten hat keinerlei Sicherungsmaßnahmen, keine Geländer etc. und die Klippe fällt steil einige dutzend Meter in die Tiefe.


Ich versuche, mich eher mitten auf den Felsen, als am Rand zu bewegen, während die beiden Jungs keinerlei Furcht kennen und sich an den Abgrund setzen (einzige Motivation für mich wäre eins dieser berühmten Schock-die-Mutter-Fotos gewesen). Der Ausblick von hier oben ist aber für mich auch ohne diesen Kick atemberaubend genug!
Wieder sicher unten angekommen, entdecken wir, auf noch etwas wackligen Knien, einen Alternativweg zum Aufstieg. Wäre ja zu einfach für uns gewesen.
Nach wenigen hundert Metern bergauf liegt auf einmal, aus dem Nichts, ein türkisfarben schimmernder Bergsee vor uns!



Doch damit hat die Landschaft noch nicht alles aufgezeigt, was uns auf dieser Wanderung erwartet: Als nächstes warten die Pfannkuchen-Felsen auf uns, und nun wird der Aufstieg endgültig zur Geschicklichkeitsaufgabe! Wir genießen den unkonventionellen Weg, gelangen zu einer Stelle, an dem die Familie zuvor echtes Bergklettern (mit Seilsicherung) erfahren hat, machen aber keine Erfahrung mit wilden Tieren. Erst am Abend erfahren wir von einem Freund, der auch in der Nähe war, dass ein Grizzlybär nahebei seine Runden drehte…
Der angekündigte Kilometer hat sich letztlich auf ca. zweieinhalb erstreckt.
Genug für heute.
10.9.06 20:19


2006-08-28 (Montag) Dawson Creek und ATV

Heute war ursprünglich Abflug nach Vancouver geplant, doch ich habe meine Pläne geändert und werde bis Mittwoch in Tumbler Ridge bleiben. Ein dreitägiger Aufenthalt hätte sich auch nicht wirklich gelohnt. Nichtsdestotrotz fahren wir heute zu meinem Abflugort Dawson Creek, gut eine Autostunde entfernt, wegen diverser Arzttermine. Wenngleich ich nichts zu erledigen habe, schließe ich mich der Familie an, denn allein hätte ich ja ohnehin nicht viel anstellen können. Russell ist arbeitstechnisch eingebunden, ich verbringe Zeit in Tier- und Spielegeschäften mit Jacob und Michael während Tina zur Physiotherapie ist. Im Spielgeschäft finden wir einen Elchkopf, der mittels Hebelmechanismus sein Maul auf- und zumachen kann! Echt cool. Der wird aufgrund folgender Begebenheit für Russell gekauft:
Auf einem Camp erzählte er ein paar Jungs eine Geschichte über einen „kopflosen Elch“. Der strolcht herum, hat aber keinen Kopf (daher der Name). Damit er nicht verhungert, saugt er alles direkt in seinen Hals hinein. Einige Kids haben diese Anekdote etwas ernst genommen und konnten am Abend aus Angst vor dem kopflosen Elch nicht einschlafen, so musste er eine weitere Geschichte erzählen. Das mit dem kopflosen Elch sei gar nicht wahr, in echt sei es nämlich ein hinternloser Elch gewesen. Der war ein ganz normaler Elch, bis auf das er keinen Hintern hatte. Der hat also gefressen und gefressen, und wurde immer dicker. Da er jedoch nichts ausscheiden konnte, ist er schließlich irgendwann geplatzt. Es gibt also keinen kopf- und auch keinen hinternlosen Elch. Dem Hund Copper ist der neu erworbene Elch jedenfalls sofort sehr unsympathisch – er hat eine regelrechte Panik vor ihm! So habe auch ich viel Spaß mit ihm…
Zu Abend gibt es bei WhiteSpot essen, einem Restaurant was immerhin nicht Fastfood ist. Das Thema kommt auf Geburtstage, ich beginne zu schwitzen, und irgendwann muss sie ja kommen: „Wann hast du eigentlich Geburtstag, Gerrit?“ … Hm, morgen, vielleicht? Ach was. Siehe auch Eintrag vom 24.8.
Tja, die Überraschung ist natürlich riesig, aber ich bestehe darauf, dass es ein ganz normaler Tag sein soll, ohne Feier und Kuchen und Lieblingsessen etc… (zumal ich eh nicht weiß, was Hühnerfrikassee oder kasslergefüllter Blätterteig auf Englisch heißt).
Ein kleines Geburtstagsgeschenk gibt es aber am Vorabend doch schon. Mit Russell und Michael besuchen wir einen Freund, der zwei „All-Terrain-Vehicles“ (ATVs) besitzt.



Die fahren bis zu 60 km/h, ein Gefährt kann zwei Leute aufnehmen, und da wir zu dritt sind, können wir uns gut abwechseln. Nach einer kleinen Eingewöhnungsrunde geht’s los, durch wilde Natur, über Hügel und Bäume, durch Bäche und über Felsbrocken; nachdem ich mich an die Gefährte etwas gewohnt habe, macht es richtig Spaß! Bereits nach wenigen Sekunden habe ich überhaupt keine Ahnung mehr, wo wir eigentlich gerade sind. Bald stehen uns zwei Rehkitze im Weg, wir halten einen Moment an, bis sie aufgescheucht davon springen. Mit den ATVs kommt man sehr schnell in „unberührte“ Natur, dennoch ist mir während der Fahrt sehr gegenwärtig, welch eine Verschwendung (Verschmutzung der Natur durch Abgase und Geräusche) das ist. Nun, hier draußen brauchen die Menschen Abwechslung, und mangels abendlicher Ausgehmöglichkeiten schaffen sie sich eben andere Spielzeuge an.
Wir sind für eineinhalb Stunden unterwegs, bis es schließlich dunkel wird und das Benzin auszugehen droht.

Auf jeden Fall eine sehr spaßige Erfahrung!
11.9.06 23:35


2006-08-29 Wiegenfeste in Tumbler Ridge

Ich habe wohl nie wirklich damit gerechnet, einmal einen Geburtstag mitten in der Wildnis, fern von Freunden und Familie zu erleben. Wie gewünscht läuft alles recht undramatisch ab. Tina hat für mich ein Glas Nutella gekauft (inzwischen ist die gesamte Familie Webb davon überzeugt, dass dies ein Grundnahrungsmittel in Deutschland darstellt – ich habe meinen Anteil zum Leidwesen meines Bauchumfanges beigetragen), Dr Pepper organisiert und einen Käsekuchen gebacken!

Russell singt ein „Happy Birthday“ in Moll, schaut mich mitleidig an und kondoliert. Der Tag fühlt sich etwas komisch an, doch die große Sinnkrise bleibt dieses Jahr aus! Stattdessen schauen wir uns ein weiteres Naturschauspiel an: Flatbed Falls. Immerhin ist dies mein letzter Tag in Tumbler Ridge, das Wetter meint es ein weiteres Mal gut mit mir. Bizarre Felsformationen, Biberdämme und ein kleiner Wasserfall vermögen erneut, mich zu erstaunen.
Den Rest des Tages tanke ich Kraft für die Reise nach Vancouver morgen und gehe früh zu Bett, da Aufstehen schon um 5.30 Uhr angesagt ist.
Ein unspektakulärer Tag – wie ich es mir vorstellt habe. Herrlich!
12.9.06 03:57


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