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2006-10-07 Oktoberfest

Ausnahmezustand in KW! Eine gute Woche lang wird hier traditionell Oktoberfest zelebriert. Es mag sehr abstrus klingen, genau das ist es auch! Als deutscher Bürger bin ich sicher stolz auf meine eigene Geschichte (naja, zumindest teilweise) und Kultur. Auf dem Oktoberfest in Deutschland war ich bisher jedoch noch nicht. Manch einer mag nun behaupten, dass Bayern ohnehin genauso Ausland sei wie Kanada - damit wird es plausibel, und ein besseres Argument habe ich gerade nicht.
Oktoberfest in Kitchener-Waterloo (KW) ist eine riesige Attraktion, die jährlich über 700.000 Menschen hier feiern - und das seit 38 Jahren! Es ist ganz groß organisiert, über die ganze Stadt sind 17 Festhallen verstreut. "Ethnische Vereine", wie sie sich nennen, nutzen in dieser Zeit die Möglichkeit, sich in Szene zu setzen, als da wären der Schwaben Club, Concordia Club und viele andere. Sogar ein Programmheft ist veröffentlicht worden. Darin enthalten sind u.a. Grußworte der Bürgermeister, ein Terminplan und ein Minilexikon der wichtigsten Vokabeln:
*Prost - "A toast, "Cheers", you will hear this in Festhallen everywhere"
*Ich liebe Dich - "I love you (best not to say it to a Frau or Fraulein when her Herr is nearby!")
*Schnitzel - "Pork Schnitzel on a bun" (??? wer macht denn sowas, bitteschön? Schnitzel auf Brötchen...)
*Schunkeln - "Locking arms [...]"
Am Freitag, 07.10. eröffne ich mit meinen drei deutschen Kumpanen und Beate (Markus' Freundin) meine persönliche Oktoberfestzeit: Wir gehen abends in die Bingemanns-Festhallen. Kaum in den Saal eingetreten, laufen uns etliche Leute in Trachtenkleidung über den Weg! Andere haben etwas Geld gespart und sich ein T-Shirt mit Lederhosenträgeraufdruck gekauft (LÄCHERLICH!!!!!). Es gibt Canadian Beer, deutsches suchen wir leider vergebens. Dennoch lassen wir uns von der Stimmung treiben, für die eine Liveband sorgt. Überwiegend werden Evergreens gespielt, hin und wieder gibt es eine Polka und die eigentlichen Höhepunkte finden ca. einmal pro Stunde statt: Der Sänger fordert allgemeines Gehör, und stimmt an, alle stimmen ein: "Ein Proosit, ein Proosit, ein Proooosit", gefolgt vom "Oktoberfest ist ... WUNDERBAR!" - Schlachtruf und als Abschluss "Eins, zwei, drei GSUFFA! Gluckgluckgluck", und alle sollen ihr Getränk "exen". (Seit wann zählt man eigentlich bis drei vor "Gsuffa"???). Der aus diesen Höhepunkten deutlich hervorstechende Augenblick ist aber, als "Rosamunde" und danach "In München steht ein Hofbräuhaus" angestimmt werden! Viele schauen uns etwas befremdet an, als wir mitsingen (können).
Wir sitzen am Tisch mit einer Mitbewohnerin meiner Freunde und einigen ihrer Freundinnen, so haben wir einen gemütlichen Abend (Gemütlichkeit, eben). Außerdem lasse ich die Gelegenheit nicht aus, mir eine Bratwurst mit Sauerkraut und warmem Kartoffelsalat zu kaufen. Entweder sind meine Geschmacksnerven bereits abgestumpft, oder es schmeckt wirklich beinahe wie in der Heimat.
Gelegentlich unterbrochen wird die Livevorstellung der Band von Kultur/Traditionsvereinen, die Aufführungen inszenieren. Da sind Schuhplattler, Peitschenknaller und Maibaumtänzer, die ihr Können unter Beweis stellen! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, trotz aller Inauthentizität (gibt's kein besseres Wort?) spürt man den Artisten die Freude und den Stolz über die eigene Kultur, bzw. die der Vorfahren, deutlich ab. Die meisten Leute hier haben im Übrigen keine Vorstellung davon, dass Oktoberfest in Deutschland nur im Süden gefeiert wird (ich wurde doch tatsächlich gefragt, ob das ein gesetzlicher Feiertag ist).
Zurück nach Hause planen wir, den Shuttlebus zu nehmen. Wir bekommen ihn nicht zu fassen, möglicherweise bedingt durch den Fakt, dass wir zwei Minuten zu spät sind - die deutsche Pünktlichkeit scheint sich während des Oktoberfests auch auf die öffentlichen Verkehrsmittel ausgedehnt zu haben. So beginnen wir unseren 10km-Marsch nach Hause, ohne dass jemand einen Stadtplan hätte. Wir probieren währenddessen unser Glück per Anhalter. Nach ca. 10 Minuten hat ein vorbeifahrender Autofahrer Erbarmen und hält an. Es ist eine Autofahrerin. Mit fünf Leuten quetschen wir uns in das Vehikel (Marilyn ist nachträglich noch drei Tode gestorben, dass wir per Anhalter gefahren sind). Auf dem Sofa meiner Kumpels nicke ich mehr oder weniger bequem ein (mit so gar keiner Lust, noch per Rad nach Hause zu fahren) und bekomme im Halbschlaf mit, wie Schumacher beim F1-Rennen rausfliegt und Monza gewinnt. Na toll.
13.10.06 05:42
 


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